Johannes Lotz und Anton Finger schließen die U23-WM mit Rang acht unter 22 Booten ab. Lotz: "Der Sprung von der nationalen auf die internationale Bühne war ein großer. Vor allem, weil das Zweierfeld in diesem Jahr sehr stark besetzt war und einige Boote dabei waren, die sich über die Saison auch im A-Bereich bei Weltcups etabliert hatten."

U23-WM: „Alles in allem können wir mit dem Wettkampf zufrieden sein“

Mit Platz zwei im B-Finale und Rang acht in der Gesamtwertung der 22 Boote der U23-WM in Plovdiv (Bulgarien) haben sich Johannes Lotz, 20, von der Hanauer Rudergesellschaft 1879 (HRG) und Anton Finger, 19, (Berliner Ruder-Club) unter die internationalen Top Ten der Männer-Doppelzweier gekämpft. Die Deutschen Meister mussten sich im „Kleinen Finale“ nur den Slowenen Nik Krebs und Miha Aljancic geschlagen geben, die im Halbfinale noch deutlich hinter der Nationalcrew des Deutschen Ruderverbandes (DRV) lagen. „Alles in allem können wir mit dem Wettkampf zufrieden sein“, bilanzierte der HRG-Weltmeister von 2014, der in Plovdiv seine vierte WM-Teilnahme in Folge feiern konnte. Das DRV-Skullerteam kam im Doppelvierer noch auf Rang zehn (14 Boote), der Einer musste krankheitsbedingt abgemeldet werden.

Lotz und Finger trafen in Plovdiv auf Masse und Klasse: In der 40-jährigen Geschichte der U23-WM wurde das Meldeergebnis der Männer-Doppelzweier nur zweimal übertroffen. Zudem gingen Teams ins Rennen, die bereits die internationale Wettkampfbühne der offenen Männerklasse betreten haben. Eine Handvoll Doppelzweier, die in Plovdiv um die WM-Medaillen der 19- bis 21-Jährigen kämpften, hatten sich unlängst bei Weltcupauftritten in der Eliteliga der Männerklasse etabliert. Das Boot Frankreich, neuer U23-Vizeweltmeister, lag in dieser Saison sogar vor den A-Teams des Deutschen Ruderverbandes (DRV), ebenso die Bronzemedaillengewinner aus Litauen, die am ersten Wettkampftag mit 6:07.57 Minuten eine neue Weltbestzeit vorlegten. Kroatien, Slowenien und Indonesien komplettierten das beispiellose, erlesene Starterfeld.

Bootsumstellung "ein bisschen problematisch"

Ein dickes Lob gab es für das junge deutsche Team angesichts dieser großen Herausforderung von Heimcoach und Olympiastützpunkttrainer Alexander Schmidt, 44, der 2016 den deutschen Männer-Doppelvierer in Rio de Janeiro zum olympischen Goldtriumph führte. „Ich war sehr zufrieden“, sagte Schmidt nach dem B-Finale und ließ erkennen, dass mit zwei, drei Wochen mehr Vorbereitungszeit möglicherweise noch mehr drin gewesen wäre. Denn aufgrund einer Bootsumstellung mussten sich Lotz und Finger technisch umstellen. „Das war ein bisschen problematisch. Ganz optimal war diese Bootsumstellung nicht. Ich denke, ohne sie wäre mehr Ruhe drin gewesen und wir hätten mehr Sicherheit von Anfang an gehabt“, so Schmidt im Rückblick.“

Den Vor- und Hoffnungslauf beendete das Duo aus Hanau/Berlin mit zweiten Plätzen hinter den späteren Finalisten Belgien und Kroatien. Den um nur 1,7 Sekunden verpassten Finaleinzug der sechs schnellsten Boote hinter den Niederländern, die später hauchdünn an WM-Bronze vorbeiruderten, sieht Schmidt ohne Sorgenfalten: „Das Halbfinale unter anderem mit Frankreich und Litauen war ein Knaller. Ich hatte nicht gedacht, dass die Jungs da so ranfahren können, vor allem hinten mit einem starken Endspurt. Gut im Profil - doch in der Mitte fehlen uns die Körner und die Trainingskilometer. Insgesamt ein starkes Rennen“, so Schmidt.

Knapp am A-Finale vorbei

Die Weltcup-Teams aus Litauen (6:13.59) und Frankreich (6:13.82) wurden im Halbfinale ihrer Favoritenrolle mehr als gerecht, führten das Feld mit den Niederländern (06:17.00) im Schlepptau an und zogen erwartungsgemäß ins A-Finale ein. Die ersten 500 Meter lagen die sechs Halbfinallisten noch dicht beisammen. Dann löste sich das Spitzenduo, und den Niederländern blieben nahezu Bord an Bord Slowenien (06:23.74), Neuseeland (06:22.29) und Deutschland (06:18.70) mit Ambitionen auf Rang drei auf den Fersen.

Im dritten Streckenabschnitt gaben die Slowenen Positionen vier an die Neuseeländer ab, die mit Lotz/Finger zeitgleich die 1.500-Meter-Marke passierten. Dann folgte die von Schmidt hochgelobte, imponierende Aufholjagd des DRV-Zweiers auf Platz drei mit dem stärksten Schlussspurt aller Halbfinalisten: In 1:32.78 Minuten passierten sie das letzte Streckenviertel und verkürzten ihren Rückstand auf die Niederlande von 4,2 Sekunden an der 1.500-Meter-Marke auf 1,7 Sekunden auf der Ziellinie.

Revanche für Rio de Janeiro 2015

Das B-Finale hatte Besonderes parat: Vier Athleten des U19-WM-Finals von Rio 2015 waren am Start und es gab Gelegenheit zu der einen oder anderen Revanche – nunmehr in der Männerklasse. Vizeweltmeister Lotz lag mit Platz zwei komfortabel vor dem italienischen Weltmeister Andrea Cattaneo und seinem neuen Partner Luca Chiumento (6:24.13), die auf Platz vier ruderten. Die seinerzeit Viertplatzierten Slowenen triumphierten diesmal mit einer starken Vorstellung und lagen erstmals vorne.

Der Rennverlauf: Lotz/Finger legen die schnellste 500-Meter-Zeit vor und passieren Bord an Bord mit den Slowenen die Streckenhälfte. Indonesien und Bulgarien folgen auf den Plätzen, dahinter Neuseeland und Italien. Die Azzurri kommen im weiteren Verlauf immer dichter ans Führungstrio heran, landen am Schluss aber auf Platz vier. Das Weltcupboot der A-Männerklasse aus Indonesien (6:23.51) kommt als dritter B-Finalist über die Ziellinie. Bulgarien(6:26.52) und Neuseeland (6:27.57) am Schluss des Feldes.

Es wird keine Tempo rausgenommen

„Der Sprung von der nationalen auf die internationale Bühne war ein großer. Vor allem, weil das Zweierfeld in diesem Jahr sehr stark besetzt war und einige Boote dabei waren, die sich über die Saison in der internationalen Elite positioniert hatten“, blickt HRG-Topskuller auf sein WM-Renndebüt in der Männerklasse zurück. „Die Rennen werden international ganz anders gefahren. Gerade in der Streckenmitte wird kein Tempo rausgenommen und einfach weitergefahren - vom Start weg. Wir haben uns nicht versteckt und vor der Weltspitze nicht blamiert“, betont Lotz.

Vor allem habe das Team ruderisch und physisch noch Entwicklungspotenzial. Für Bootspartner Anton Finger war es „ein großes Ding, von den Junioren zur U23 rüberzukommen“. „Das ist schon ein anderes Niveau, wenn 22-järige Brocken gegen einen antreten. Da sieht man, was man in den nächsten ein, zwei Jahren an Physis und Technik aufholen kann. Das hat Lust auf mehr gemacht“, so Finger.

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