24.04.2010
Ruderschule: "Rundschau" schaute vorbei
Unter der Überschrift „Magische Momente auf dem Main“ berichtete die „Frankfurter Rundschau“ (FR) in ihrer Ausgabe vom Samstag, 24. April 2010, über den Auftakt der HRG-Ruderschule. FR-Redakteurin Ute Vetter und Fotograf Rolf Oeser erlebten einen Abend lang hautnah die „Magie“ des Wassersports und ließen sich vom Betreuerteam um Hermann Priester und den erwachsenen Schülerinnen und Schülern regelrecht verzaubern: Ute Vetter notierte fleißig die so genannten „Basics“ rund ums Rudern. Und Fotograf Oeser fokussierte eifrig zwischen Rudererbeinen, Skulls und Auslegern. Die Reportage wurde zum Erlebnis – und flatterte den Leserinnen und Lesern zum Samstagmorgen-Frühstück ins Haus.
Ruderer sind nicht zimperlich: „Fort mit euch - macht, dass ihr aufs Wasser kommt!“ ruft ein Mann und lacht. Am Bootssteg der Hanauer Rudergesellschaft (HRG) 1879 drängen sich rund 20 Neulinge, Menschen im gestandenen Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Die Sonne strahlt, doch es ist eiskalt an diesem Aprilnachmittag. Ins Wasser will keiner fallen. Alle üben das korrekte Einsteigen. Garnicht so leicht: Da und dort ja nichts anfassen, da und dort keinesfalls hintreten, parallel zu jener Bewegung mit diesem Fuß gleichzeitig das greifen und sich dabei dort festhalten. Häh? Geschafft. Unser Vierer steigt ins rund zehn Meter lange Boot mit dem hübschen Namen „Donau“.
Ein hörbarer Platsch unterbricht die Aktion. Ein Mann stürzt über den Bootsrand hinaus und kopfüber bis zur Hüfte in den Main. Gut, dass Helfer auf dem Steg sind. Sie packen blitzschnell seine Beine und ziehen ihn hoch. Gut auch, dass unserer Vierer kein kippeliges Rennboot ist, sondern ein gemütlicher Kahn, stabil und breit. „Gig-Boot“ heißt diese Variante, die sich für mehrtägiges Wanderrudern eignet.
"Wir lernen viel"
Alle folgen Utes Tempo Der Gestürzte grinst über sein Missgeschick. Er ist in meinem Vierer „Nummer 4“, sitzt ganz hinten. Ich bin die „Nummer 1“, also der Schlagmann, wie mir mein Hintermann verrät. Alle müssen sich nach meinem Schlagtempo richten. Das gefällt mir. Dafür sitze ich direkt vor dem gestrengen Steuermann. Er ist unser Kapitän. In der Welt der Boote ist das klar geregelt: Einer hat das Kommando. Unser Captain heißt Hermann Priester, ist der Ehrenvorsitzende der HRG und hat´s gut: Er sitzt auf einem bequemen Gartenstuhl mit abgesägten Beinen. Ist besser für den Rücken als die üblichen Holzlatten, sagt er. Er hatte vor einigen Jahren die Idee, aus älteren Landratten leidliche Ruderer zu machen. „In diesem Altersbereich fehlen uns Mitglieder“. Kinder und Jugendliche würden traditionell ganz gut über die Schulsport-Angebote erreicht.
Das Gros der Neulinge ist schlau, trägt keine kneifende Jeans, sondern enganliegende Laufhosen. Wir lernen viel: Dass wir zwei jeweils drei Meter lange Skulls in den Händen halten - Riemenrudern heißt es, wenn man mit beiden Händen ein Ruder greift. Dass die Skulls in Dollen stecken und beim Rudern hin-und her gedreht werden müssen. Dass unsere Füße auf einem Stemmbrett festgezurrt sind.
"Schön ist das"
Was ein Ausleger ist. Aber keiner sagt, dass der Rollsitz ein winziges, glattes Brettchen ist. Auf sowas schneide ich zuhause Tomaten. Egal. Wir sind bereit, wollen endlich in See stechen. Priester befiehlt: „In die Auslage!“. Wir gehorchen, legen die Blätter flach aufs Wasser. Priester steht auf und schaukelt. Er zeigt, dass die Skulls so das Boot stabilisieren. Er geht blitzschnell in die Hocke, ruft „Los!“ Wir müssen die Blätter senkrecht stellen, sie ins Wasser tauchen (ja nicht zu tief) und mit dem Durchzug beginnen. Ahoi!
Während wir dann so rudern und wenden und stoppen und Bojen beachten und gerade sitzen, die Beine zusammendrücken und die Arme durchstrecken und versuchen, nicht ans Rudern zu denken, sondern es zu spüren, passiert etwas Faszinerendes: Da glitzert die Sonne auf dem Wasser, gleitet das Ufer vorbei und Schloss Philippsruhe langsam näher und quaken Enten im Tiefflug über den Main. Schön ist das.
Ute Vetter (Frankfurter Rundschau vom 24. April 2010)
Links:
[„Magische Momente auf dem Main“, Frankfurter Rundschau vom 24. April 2010 (PDF-Datei)]










