Von Mühlheim bis Krotzenburg

Zentrum des Vereinsgeschehens ist das Bootshaus an der Mainspitze am Stromkilometer 55,5. Es liegt in der Mitte unseres Ruderreviers zwischen den Schleusen Kesselstadt/Mühlheim und Krotzenburg. Der Main ist ein uralter Fluss. Sein Name ist keltischer Herkunft. Die Römer nannten ihn Moenus.

Der Main hat seinen eigenen Zug, seinen eigenen Lebensweg, seine eigene Geschichte, er kommt von dem wenig gekannten, schon im Namen märchenhaften Fichtelgebirge, er trägt seine eigenen Schiffe und treibt seinen eigenen Wein. Aber anders als der Neckar oder die Lahn, die Ahr oder die Nahe, anders selbst als die Länder verbindende Mosel, zieht er auch seine eigene Grenze – eine Schicksals- und Wesensgrenze im deutschen Land, die man die „Mainlinie“ nennt. (Carl Zuckmayer in „Als wär’s ein Stück von mir“). Seit frühester Zeit war unser Ruderrevier ein bedeutender Schauplatz für historische Ereignisse und lokale Entwicklungen:

  • Der Main war bis Krotzenburg Teil des Limes, der im zweiten Jahrhundert nach Chr. erbaut wurde und in der römischen Kaiserzeit den befestigten Grenzwall bildete. In Kesselstadt gab es westlich des römischen Kastells eine wichtige Furt. Es existierte sogar eine römische Militärflotte. Schwere Güter wurden durch Handelsschiffe befördert. Amphorenfunde am Kesselstädter Ufer weisen darauf hin.
  • Während in der Frühzeit nur Furten einen Mainübergang ermöglichten, gab es später Fähren und schließlich hölzerne und dann steinerne Brücken. Für Kriegszwecke wurden Schiffsbrücken gebaut (Kesselstadt, Steinheim, Auheim).
  • Während die Hanauer Altstadt noch an der Kinzig lag, rückte nach der Gründung der Neustadt 1597 die Stadtgrenze nahe an den Main. Unser Bootshaus steht an der Stelle, von wo aus ein Kanal direkt an die Stadtmauern der Neustadt führte. Von hier verkehrte das Hanauer Marktschiff regelmäßig bis 1847 nach Frankfurt.
  • Ab 1866 konnte man bis in die zwanziger Jahre die Kettenschifffahrt beobachten. Es war im Main eine schwere Kette verlegt, an der sich das Schleppschiff nach vorn zog und mit seinem Kettengerassel und der Dampfpfeife von weitem zu hören war. Es hatte den Spitznamen „Maakuh“. Die Kette wurde 1926 aus dem Main genommen.
  • Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es zwischen Frankfurt und Aschaffenburg keine steinernen Brücken. 1873 entstand als Teil der neuen Südmainischen Eisenbahnlinie Frankfurt-Fulda die Brücke zwischen Hanau und Steinheim.
  • Mitte der 80er Jahre errichtete der Ruderclub Hassia am „Roten Stein“ in Höhe der heutigen Hafeneinfahrt seine erste Bootshalle. Fast gleichzeitig wurde die Kleinkrotzenburger Rudergesellschaft Starkenburg gegründet, die bis 1939 bestand. Der erste Bootsschuppen stand an der Mainfähre.
  • 1919 entstand der Ruderklub Möve in Grossauheim. Das Bootshaus lag am Zollturm (Gaststätte „Zum Engel“).
  • In den zwanziger Jahren wurde der heute umschlagstärkste Mainhafen zwischen Frankfurt und Bamberg eingeweiht.
  • Bis in die letzten Kriegstage bot der Fluss viel Badegelegenheiten im offenen Main und in früher geschlossenen Badeanstalten, für Damen und Herren getrennt, wie es der Sitte entsprach. An ein Familienbad war damals noch nicht zu denken. Spätestens in den zwanziger Jahren war die Geschlechtertrennung in den Badeanstalten entfallen. Gegenüber dem Bootshaus lag das komfortable Strandbad „Mosler“, das auch über eine Rollschuhbahn verfügte.
  • Von 1972 bis 1974 wurde der so genannte Steinheimer Bogen an der roten Mauer begradigt. Es entstand ein ruhiger Seitenarm. Seit 1975 führt an dieser Stelle die Autobahn über den Main.
  • Heute ist unser Main Teil des internationalen Schifffahrtsweges RHEIN-MAIN-DONAU geworden. Große Motorschiffe, zunehmend auch Hotelschiffe und die Weiße Flotte der Personenschifffahrt passieren stromauf und stromab unser Bootshaus. Es sind im Jahr ca. 14.000 Schiffsbewegungen in Berg- und Talfahrt.