Unser Bootshaus

Bootshaus: Blick auf das Vorstandszimmer

Die Hanauer RG 1879 ist nach den Turnvereinen der älteste Sportverein in Hanau. Sie bietet ein qualitativ hochwertiges, breites Rudersportangebot für alle Alters- und Leistungsgruppen. Das Bootshaus mit drei großen Bootshallen liegt auf einem großen Ufergrundstück direkt am Main. Die gut besuchte Veeinsgaststätte mit italienischer Küche ist täglich ab 11.30 Uhr geöffnet. Mit ihrem bekannten Blau-Weiß-Ball leistet die Hanauer RG jährlich im Januar einen weithin anerkannten Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in Hanau.

Das Grundstück und das Bootshaus der Hanauer Rudergesellschaft waren von der Gründung an mit dem rudersportlichen und geselligen Leben des Vereins eng verbunden. Nach dem Gründungsjahr 1879 entstand bereits ein Jahr darauf das erste Bootshaus auf dem Grundstück und an der Stelle, an der auch das heutige Bootshaus steht.

Christian Bracker – ein Gründungsmitglied des Vereins und der erste Kassierer – war Bauingenieur. Er war verantwortlich und auch der aktivste bei der Bauausführung. Ob es damals Leute wie heute Rauhut, Beilstein, Hornung und König – um nur einige Namen zu nennen – gab, die mit hohem Zeitaufwand jahrelang vielfältige Renovierungsarbeiten am Bootshaus übernommen haben, ist nicht überliefert. Überliefert ist jedoch, dass die Baukosten 2.000 Goldmark betrugen und dass ein Großteil der Summe bar bezahlt wurde.

Der Chronist Ullrich berichtete über das erste Bootshaus:

Das Bootshaus ganz nach den damaligen Verhältnissen gebaut und innen eingerichtet, bedeutend schmäler, auch wohl etwas kürzer als heute, aber recht behaglich und gemütlich für die paar Männeken, deren Zahl wohl kaum über 30 hinausging.

Schon 1896 wurde ein neues, vergrößertes Bootshaus eingeweiht. Auf seinen Grundmauern ruhen noch heute die beiden linken Hallen. Der hintere Teil war bereits mit einem ersten Stockwerk hochgemauert. Dort war auch der Gesellschaftsraum untergebracht. Der vordere Teil bestand noch aus Holzaußenwänden. Das gesamte Parterre stand für den Ruderbetrieb zur Verfügung. In den nächsten Jahren wurde ein Teil des angrenzenden Grundstücks hinzu gepachtet.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war eine Erweiterung des Bootshauses geplant, aber dieser Anbau konnte erst im August 1919, im Jahr des 40jährigen Bestehens der HRG, eingeweiht werden. Das gesamte Gebäude war nun gemauert und bestand aus Parterre und erstem Stock. Unten wurden weiterhin die Boote gelagert und eine kleine Küche eingebaut. Im ersten Stock befanden sich die Umkleideräume. Ein geplanter Balkon konnte erst in den folgenden Jahren fertig gestellt werden.

Im Winter 1924/25 bedrohte Hochwasser und schwerer Eisgang das Bootshaus. Eine Betonmauer musste um das Bootshaus errichtet werden. Dadurch entstand ein zusätzliches Plätzchen für geruhsame Stunden. Diese Betonmauer ist noch heute, mit kleinen Änderungen versehen, vorhanden.

Schon im sehr strengen Winter 1929 zeigte sich, dass die Mauer ein Glück für das Bootshaus war. Der Main war vollkommen zugefroren und konnte als Fußweg nach Steinheim benutzt werden. In den folgenden Jahren wurde der kleine Balkon zu einer Terrasse erweitert.

Zum 50jährigen Jubiläum erhielt das Bootshaus und sein Fachwerk einen Anstrich in den Farben Blau und Weiß. Auf dem Dach wurde ein Mastkorb mit Flaggenmast errichtet, an dem ein goldener Kranz mit der Zahl 50 und der Jahreszahl 1879 befestigt war. Beides konnte abends erleuchtet werden. Die Glühlampen an der Fassade hoben die Konturen des Bootshauses bei Dunkelheit prächtig hervor. Über das Leben rund ums Bootshaus in den 30er Jahren berichtet Karl-Heinz Linn aus seinen Jugenderinnerungen:

Am 19.3.1945 wurde durch den Bombenangriff auf Hanau auch das HRG-Bootshaus völlig zerstört. Es blieben nur Trümmer übrig, allein das Gelände blieb der HRG erhalten. Das Grundstück gehörte zwar der HRG, aber durch Umlegungen und andere Eigentümer waren in der gesamten Umgebung um das Bootshaus größere Änderungen zu erwarten. Die HRG hat am meisten die Besitzänderung des Mainkanals („Kleiner Main“ oder auf Hanauerisch „Klaane Maa“), die Umlegung des Dammes und die Standortwünsche des Wasser- und Schifffahrtsamtes berührt. Der Mainkanal war als Teil einer Wasserstraße im Besitz des Staates. Das Wasser- und Schifffahrtsamt war eine staatliche Behörde. Da die Stadt Hanau die Fläche des Mainkanals sehr günstig vom Staat erwerben konnte, sollte das Gelände des Bootshauses in das neue Domizil des Wasser- und Schifffahrtsamtes einbezogen werden.

Der Wiederaufbau begann, die Verlegung des Damms brachte Vorteile bezüglich der Zufahrt, das Vereinsgrundstück konnte vergrößert werden, und was heute zu sehen ist, ist das Resultat der Arbeit für die Hanauer Rudergesellschaft von fast drei Generationen. Im Mai 1945 begannen die Aufräumarbeiten des bis auf die Grundmauern zerstörten Bootshauses. Heinz Becker mobilisierte alle erreichbaren Mitglieder. Unter schwierigen Bedingungen begann 1948 der Wiederaufbau. Zum Schutz vor Diebstahl kostbarer Baumaterialien und Werkzeuge schlief eine Zeltwache (Baumecker, Ocker, Flach, Lotz) auf der Baustelle.

Zum 70jährigen Jubiläum der HRG konnte am 15. Oktober 1949 das neue Bootshaus eingeweiht und fünf Jahre später zum 75. Geburtstag des Vereins der Erweiterungsbau abgeschlossen werden. In der Amtszeit von Fritz Pfaffe wurde die dritte Bootshalle gebaut. Bis 1994 blieb das Bootshaus im Äußeren unverändert. Regelmäßige Arbeiten konzentrierten sich auf innere Umbauten und Renovierungen, die insbesondere vor dem 100jährigen Jubiläum und in den 80er Jahren durchgeführt wurden. In regelmäßiger Folge beeinträchtigte in den Monaten Februar und März starkes Hochwasser den Ruderbetrieb, aber auch das gesellige Leben des Vereins. Im Juli 1984 musste aus diesem Grunde sogar die internationale Regatta abgesagt werden.

Erhebliche Engpässe im Küchenbereich, insbesondere aber unzumutbare Zustände in den Umkleideräumen und Duschen durch den stark angewachsenen Ruderbetrieb in allen Altersklassen veranlassten 1991 unser Mitglied und Architekt Rainer Krebs, mit dem Vorstand Pläne für eine umfassende Erweiterung und Umgestaltung im ersten Stock des Bootshauses zu verfassen. Nachdem alle Klippen der Genehmigungsverfahren überwunden waren und die Finanzierung in Höhe von über 400.000 DM einschließlich Eigenleistungen gesichert war, begannen die Anbauarbeiten Anfang 1994.

Ohne große Behinderung des täglichen Trainings- und Breitensportbetriebs konnte der Anbau im Oktober 1994 termingerecht abgeschlossen werden. Danach ging es an die umfangreichen Umbauarbeiten im Altbau: Vergrößerung und Erneuerung der Damen- und Herrentoiletten, Erstellung eines Gymnastikraumes und einer vergrößerten modernen Küche. Leitungen mussten verlegt, Wände herausgebrochen und versetzt werden. Alles war neu zu fliesen. Hier war der Einsatz vieler Mitglieder gefragt. Mit insgesamt über 5700 Arbeitsstunden, an der Spitze Karl-Heinz Rauhut mit über 200 Arbeitsstunden allein im Jahr 1995, dauerten die Arbeiten nahezu 18 Monate. Über allem wachte und koordinierte das Architekturbüro von Rainer Krebs mit Monika König als Ansprechpartnerin und Helmut Noll als unverzichtbarem, unermüdlichem „Bauleiter“ vor Ort.

Zu Beginn der Rudersaison 1996 konnte der große An- und Umbau mit der Erwartung, nun einige Jahre Ruhe zu haben, endgültig abgeschlossen werden. Doch schon im Jahre 2000 folgten weitere wichtige Baumaßnahmen aufgrund der ambitionierten Pläne des neuen Gaststättenpächters. An der Bootshausrückseite entstand ein 20 qm großes Kühlhaus sowie ein zusätzlicher Lagerraum für Bootsmaterial. Das 125jährige Jubiläum gab dann erneut Impulse für umfangreiche Reparatur- und Verschönerungsarbeiten in den Bootshallen. Insbesondere das undichte Asbestdach der dritten Bootshalle musste komplett erneuert werden.

Das Bootshaus war seit der Gründung der Rudergesellschaft der besondere Stolz der Mitglieder. Es ist in Lage und Ausstattung eines der schönsten Bootshäuser am unteren Main. Als Mittelpunkt des Vereinslebens wurde es für viele Jugendliche zweite Heimat und wichtige Begegnungsstätte für die älteren Mitglieder des Vereins. Bis heute ist es Ort zahlreicher traditioneller Vereinsfeste aber auch privater Veranstaltungen für die Mitglieder.